Die hervorgehobenen Wörter haben mir Schülerinnen und Schüler einer dritten Klasse genannt, aus denen dieses Gedicht entstand:
Im Traum bin ich gern Drachenreiter
und fliege dahin, wo ich will.
Der Drache ist mein Freund, Begleiter,
stimmt mich bei Liebeskummer heiter,
und schweigt beim Angeln mit mir still.
Wir reisen zu den Pyramiden,
überfliegen manches Kernkraftwerk,
und wenn wir wieder Pläne schmieden,
dann ohne Uhr, auch ganz in Frieden,
und beobachten alles mit Augenmerk.
Im Albtraum dagegen muss ich marschieren
für Volk, Nation und Vaterland,
soll lügen, andere deklassieren
und Patriotismus deklarieren,
als gute Hilfe Hand in Hand.
Dann will ich fliehen in andere Welten,
wo keine Erinnerung mich quält,
wo gute Freunde etwas gelten,
wo Eltern Kindern Gutes erzählten
und nicht nur Pflicht im Alltag zählt.
Im Liebestraum aber, da weiß ich wieder,
was der Motor meines Herzens ist:
Fußball spielen – und die Vereinsmitglieder
singen im Stadion unsere Fußballlieder,
Fanstimmung, die man nie vergisst.
Dann bin ich der beste Fußballer der Welt,
Tischkickerzeiten liegen weit zurück,
mit geht aber nicht nur ums Geld,
ich denk auch an die, denen es fehlt,
und teile mit anderen mein Glück.
Doch wenn wir nur durch das Leben rasen,
und kaum Raum bleibt für Phantasie,
wenn wir mit unseren Ressourcen aasen,
nur ackern in allen Lebensphasen
dann schaffen wir unsere Lebenskür nie.
Dann werden nur die Albträume wahr,
es verkümmert, was uns am Herzen liegt,
erst am Ende unserer Zeit erkennen wir klar,
was im Leben eigentlich wichtig war,
doch dann hat das Böse schon gesiegt.
Die Drachen sind mit dem Bogen erschossen,
die Fußballerträume ausgeträumt,
die Stimmung wird dunkler und verdrossen, wir sind mehr und mehr verschlossen,
und haben unser Leben versäumt.
Damit genau das nicht geschieht,
seid doch ein Stück gescheiter,
denn wenn man die Gefahr schon sieht,
und daraus seine Schlüsse zieht,
dann träumt man einfach weiter,
ich bin gern Drachenreiter.
Anke Dittmann ©