Manchmal fehlen mir die Worte vor Glück, vor Schreck, vor Erschöpfung, vor Trauer, vor Betroffenheit. Dann stammle ich nur vor mich hin, meine Sätze werden unvollständig und andere können mich nicht verstehen. Wohin aufgewühlt mit so viel Gefühl? Wie soll ich mich so schnell ordnen oder meine erlebten, unbeschreiblichen Momente erklären? Das gilt für die Geburt meiner Kinder, beim letzten Abschied von meiner Mutter, bei einem engen, dichten Gespräch mit Menschen, die mir viel bedeuten, beim ohnmächtigen Mitansehen vom Tod der Menschen, die kaum glückliche Momente in ihrem Leben erlebt haben. Wohin mit all dem, was mich innerlich umtreibt, wohin mit dem Stöhnen, dem Jauchzen, den Tränen, den durcheinander geworfenen Silben. Wer kann mich so verstehen?
Im Psalm 66,20 heißt es: Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. Für mich ist es ein Trost zu wissen, dass Gott meine unvollständigen, gestotterten Wortfetzen versteht. Er kann meinem Schwall von Gefühlen Herr werden. Ihm kann ich klagen ohne Rücksicht auf ausgefeilte Formulierungen, selbst Anklagen hält er aus. Ihm kann ich Freude erzählen, auch wenn ich vor Aufregung kein Wort herausbringen kann. Er hat es trotzdem genau richtig verstanden. Und nicht nur das, er ist ein gütiger Zuhörer, vor dem ich meine tiefsten Gedanken nicht verbergen kann und muss. Mein Versteckspiel findet vor Gott im Gebet ein Ende, das kann manchmal erst einmal weh tun, doch tut es letztlich doch gut, weil Gott ein Zuhörer ist, der Halt gibt. Das hilft mir zu ertragen, was ich nicht ändern kann, und die Unbeschreiblichkeit stehen zu lassen, weil Gott sie versteht. Oder es hilft mir, mich zu sortieren und trotz allem, was geschieht, nach vorn zu schauen, aktiv zu bleiben.
Im Gebet ist Gott mein Seelsorger, darum: Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.
Anke Dittmann
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